Höhlengleichnis
Saxofon - Spieler , Prag 1991
Es geht in diesem Gleichnis vorrangig um die Frage der Erleuchtung bzw. der Erkenntnis. Diese verknüpft Plato bzw. der Sprecher dieses Textes, nämlich Sokrates, mit dem Licht, was übrigens in der christlichen Interpretation dann mit Gott und dem Weg des Menschen zur göttlichen Erkenntnis und Weisheit gleichgesetzt wurde.
Die elementare Frage, die hinter diesem Gleichnis steht, ist eher erkenntnistheoretischer bzw. wahrnehmungsorientierter Art: Sind die Dinge, die wir sehen, wirklich und real oder sind es nur Abbilder ihrerselbst, deren wahren Inhalt wir nicht kennen, und den, wenn man ihn uns schauen ließe, wir nicht in der Lage wären, anderen zu ver- und übermitteln.
Die Fotografie nun ist ein ideales Medium, diesen erkenntnistheoretischen Diskurs zu visualisieren und auf eine nachvollziehbare Ebene zu bringen, ohne dabei das philosophische Kernproblem zu verringern oder gar ad absurdum zu führen.
Der Saxophon-Spieler mag für diese Art der "Lichtphilosophie" symbolhaft stehen: Erst durch die Kenntnis des Schattenwurfes wird dem Betrachter klar, daß es sich nicht um einen gebückten, huttragenden Mann im dunklen Kurzmantel handelt, sondern daß diese Art der Körperhaltung, die Stellung des Beines und die Position der teilverdeckten Arme auf das Spiel des Instrumentes zurückzuführen sind; erst durch die Information des Schattens wird uns dies offenbar. Wäre die Perspektive eine andere, etwa seitlich von vorne, hätte es des Schattens zur Erklärung der Person nicht bedurft. Trennt man aber das Bild in den Schatten und den rückwärtigen Mann, so vernichtet man nicht nur die Bildaussage, sondern auch den erkenntnistheoretischen Prozeß, der in unseren Gehirnwindungen abläuft und uns ein Bild erzeugen hilft, das deutlich komplexer ist als die Fotografie, ja, gelegentlich sogar die Töne des Instrumentes hörbar erzeugen mag.
So liegt der Reiz der Fotografien dieser "Lichtphilosophie" gerade eben in der Verquickung und Vernetzung unterschiedlicher Bildebenen, teils auch unterschiedlicher inhaltlicher Aussagen und führt, angeregt vom erkenntnistheoretischen Prozeß, der in uns Menschen quasi automatisch abläuft und uns nach einem tieferen Sinn fragen läßt, stets einer Wahrheit, die außerhalb der Bildebene, eben in uns selbst, durch unsere Erfahrungen, durch unser Wissen und durch unsere Gefühle und Sehnsüchte gesteuert, liegt.
Insofern verhilft die "Lichtphilosophie" in ihrer visiblen Ausprägung, den Fotografien mit ihren Schatten, Mehrfachbelichtungen und Spiegelungen etwa, in uns die Beschäftigung mit der Suche nach der Wahrheit hier am konkreten Objekt durchzuführen, um den Prozeß selbst für uns als Subjekte greifbar, faßbar und erklärbar zu machen.